Digitale Noten auf dem Tablet – Meine Erfahrungen mit MobileSheets im Orchester
Nachdem ein Notenarchiv digitalisiert wurde, stellt sich die nächste Frage:
Wie gelangen die Noten möglichst komfortabel zum Musiker?
Für mich war die Antwort schnell gefunden: Tablets.
Seit einigen Jahren verwende ich im Akkordeonorchester Hallein die Android-App MobileSheets. Sie hat sich für den täglichen Einsatz im Proben- und Konzertbetrieb hervorragend bewährt.
Dabei wurde mir allerdings schnell klar, dass eine Notensoftware nur so gut ist wie die Qualität der Daten, die ihr zur Verfügung gestellt werden.
Warum überhaupt Tablets?
Früher bestand jede Stimmenmappe aus Papier.
Vor einer Probe mussten die Mappen zusammengestellt werden. Nach dem Konzert wurden sie wieder eingesammelt und sortiert.
Das führte häufig zu Problemen:
- Stimmen fehlten.
- Einzelne Blätter wurden vertauscht.
- Noten waren beschädigt.
Mit digitalen Notenmappen entfallen diese Arbeiten weitgehend.
Die Vorteile digitaler Noten
Ein Tablet bietet viele Vorteile:
- kein Blättern, Ordnen von dicken Mappen
- schnelle Suche nach jedem Werk
- beliebig viele Werke immer dabei
- einfache Aktualisierung
- gleichbleibende Lesbarkeit
- keine abgegriffenen Originale
Gerade bei größeren Archiven macht sich dies deutlich bemerkbar.
Warum MobileSheets?
Ich habe verschiedene Programme angesehen.
Für meine Anforderungen erwies sich MobileSheets als besonders geeignet.
Die Software unterstützt unter anderem:
- PDF-Dateien
- Bilder
- Sammlungen
- Kategorien
- Komponisten
- Instrumente
- Wiedergabelisten
- Anmerkungen
- Fußschalter zum Umblättern
Damit eignet sie sich hervorragend für Orchester.
Die PDF-Datei als Grundlage
Im digitalen Archiv besitzt jedes Werk eine vollständige PDF-Datei.
Diese enthält:
- Partitur
- sämtliche Stimmen
- alle Seiten in der richtigen Reihenfolge
Aus dieser PDF lassen sich später die einzelnen Stimmen erzeugen.
Dadurch muss jede Note nur einmal digitalisiert werden.
Warum die Reihenfolge der Seiten wichtig ist
Bereits beim Scannen achte ich darauf, dass die Reihenfolge exakt stimmt.
Das hat einen einfachen Grund.
MobileSheets arbeitet mit Seitenzahlen.
Sind die Seiten falsch sortiert, müssen sämtliche Stimmen später manuell korrigiert werden.
Eine saubere Digitalisierung spart deshalb später viel Arbeit.
Einzelne Stimmen erzeugen
Nach dem Import der PDF-Datei können die Seiten den einzelnen Instrumenten zugeordnet werden.
Beispielsweise:
- Akkordeon 1
- Akkordeon 2
- Bass
- Klavier
- Schlagwerk
Der Musiker sieht später nur seine eigene Stimme.
Die vollständige Partitur bleibt trotzdem erhalten.
Warum meine Dateibenennung hilfreich ist
Im vorherigen Beitrag habe ich die Nomenklatur der Dateinamen beschrieben.
Diese hilft auch in MobileSheets.
Bereits am Dateinamen erkennt man:
- Werk
- Instrument
- Seitennummer
- Gesamtseitenzahl
Damit lassen sich Fehler wesentlich schneller finden.
Mein früheres Excel-Makro
Als ich das Archiv erstmals digital übernommen habe, entstand schnell ein neues Problem.
Mehrere hundert Werke mussten in MobileSheets eingelesen werden.
Eine manuelle Eingabe aller Informationen wäre sehr zeitaufwendig gewesen.
Deshalb entwickelte ich ein Excel-Makro.
Dieses erzeugte aus meinem Inhaltsverzeichnis automatisch eine CSV-Datei.
Diese CSV-Datei konnte anschließend direkt in MobileSheets importiert werden.
Dadurch wurden zahlreiche Informationen automatisch übernommen.
Unter anderem:
- Titel
- Komponist
- Arrangeur
- Kategorien
- Instrumente
- Seitenbereiche der Stimmen
Das Makro existiert heute noch.
Inzwischen wurde das Archiv jedoch mehrfach erweitert, sodass eine Überarbeitung notwendig wäre.
Dennoch zeigt dieses Beispiel, welche Möglichkeiten eine konsequent strukturierte Archivverwaltung bietet.
Google Drive oder USB
Die Übertragung der PDF-Dateien auf das Tablet erfolgt bei mir je nach Situation über
- Google Drive
- USB-Stick
Beide Varianten haben sich bewährt.
Entscheidend ist weniger die Übertragungsmethode als vielmehr eine saubere Ordnerstruktur.
Änderungen werden einfach
Ein weiterer Vorteil digitaler Noten besteht darin, dass Änderungen nur einmal durchgeführt werden müssen.
Wird beispielsweise eine Stimme verbessert oder ergänzt,
- wird die PDF-Datei aktualisiert,
- erneut übertragen,
- und steht sofort allen Musikern zur Verfügung.
Aufwendige Kopieraktionen entfallen.
Auch für kleinere Ensembles geeignet
Digitale Notenmappen lohnen sich nicht nur für große Orchester.
Auch kleinere Ensembles profitieren davon.
Schon wenige hundert Werke lassen sich wesentlich einfacher verwalten als in Papierform.
Meine Erfahrungen
Nach mehreren Jahren Nutzung möchte ich MobileSheets nicht mehr missen.
Die Software arbeitet zuverlässig.
Voraussetzung ist allerdings ein sauber aufgebautes Archiv.
Je besser die Digitalisierung organisiert wurde,
desto einfacher gelingt später die Nutzung auf dem Tablet.
Fazit
MobileSheets ersetzt kein Notenarchiv.
Die Software ergänzt es.
Ein gut organisiertes digitales Archiv bildet die Grundlage für einen modernen Orchesterbetrieb.
Wer bereits beim Digitalisieren auf eine saubere Struktur achtet, wird später mit einer komfortablen Verwaltung und einer schnellen Bereitstellung aller Stimmen belohnt.
Ausblick
Im nächsten Beitrag geht es um die Datensicherung.
Denn ein digitales Archiv ist nur dann wirklich sicher, wenn regelmäßig Sicherungskopien erstellt und an einem zweiten Speicherort aufbewahrt werden.
Ich zeige, wie ich mein Notenarchiv per SFTP mit FileZilla auf einen Server übertrage und warum ein Backup genauso wichtig ist wie das eigentliche Scannen.
Zur Artikelserie
- Teil 1: Warum Noten digitalisieren?
- Teil 2: Physisches und digitales Archiv