Einheitliche Dateibenennung für digitalisierte Noten
Beim Aufbau eines digitalen Notenarchivs wird häufig viel Zeit in das Scannen investiert. Ein Thema wird dabei jedoch oft unterschätzt: die Dateibenennung.
Nach meiner Erfahrung entscheidet eine konsequente Nomenklatur darüber, ob ein Archiv auch nach zehn oder zwanzig Jahren noch effizient genutzt werden kann.
Ein Dateiname sollte bereits alle wichtigen Informationen enthalten – ganz ohne die Datei öffnen zu müssen.
Warum Dateinamen so wichtig sind
Ein einzelnes Werk besteht oft aus:
- einer Partitur,
- mehreren Akkordeonstimmen,
- Bassstimmen,
- Elektronium,
- Schlagwerk,
- Klavier,
- weiteren Instrumenten.
Bei einem Archiv mit mehreren hundert Werken kommen schnell mehrere zehntausend Dateien zusammen.
Eine konsequente Benennung spart deshalb täglich Zeit.
Meine Grundregel
Der Dateiname soll bereits beantworten:
- Zu welchem Werk gehört die Datei?
- Welche Stimme ist enthalten?
- Welche Seite wird dargestellt?
- Wie viele Seiten besitzt diese Stimme insgesamt?
Damit erkennt man bereits im Dateimanager sofort den gesamten Aufbau einer Stimme.
Aufbau des Dateinamens
Ich verwende folgenden Aufbau:
Titel_Instrument_Seite_Gesamtseiten.jpg
Beispiele:
The Second Waltz_A1_01_04.jpg
Akkordeon 1 – Seite 1 von insgesamt 4.
The Second Waltz_B_02_03.jpg
Bassstimme – Seite 2 von 3.
The Second Waltz_K_01_02.jpg
Klavier – Seite 1 von 2.
Die Partitur erhält eine Sonderstellung
Für Partituren verwende ich bewusst ein vorangestelltes Unterstrich-Zeichen.
Beispiel:
The Second Waltz_P_01_18.jpg
Dadurch erscheint die Partitur in vielen Betriebssystemen automatisch am Anfang der Dateiliste.
Das erleichtert die Orientierung erheblich.
Instrumentenkürzel
Die Kürzel orientieren sich an der Besetzung des Orchesters.
Beispiele:
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| P | Partitur |
| A1 | Akkordeon 1 |
| A2 | Akkordeon 2 |
| A2a | Akkordeon 2a |
| A3 | Akkordeon 3 |
| A4 | Akkordeon 4 |
| A5 | Akkordeon 5 |
| B | Bass |
| E1 | Elektronium 1 |
| E2 | Elektronium 2 |
| K | Klavier |
| SW | Schlagzeug |
| Perc | Percussion |
| Mel | Melodica |
| Voc | Gesang |
Weitere Instrumente lassen sich jederzeit ergänzen.
Seitennummern
Ich verwende grundsätzlich zweistellige Seitenzahlen.
Also:
01
02
03
...
10
11
Dadurch werden die Dateien auch alphabetisch korrekt sortiert.
Ohne führende Null würde beispielsweise:
1
10
11
2
3
angezeigt werden.
Warum auch die Gesamtseitenzahl gespeichert wird
Ein Beispiel:
A1_03_04
zeigt sofort:
- Seite 3
- von insgesamt 4 Seiten
Fehlt später Seite 4, erkennt man das sofort.
Gerade beim Digitalisieren großer Archive verhindert dies viele Fehler.
JPEG und PDF
Ich speichere jedes Werk grundsätzlich in zwei Formaten.
JPEG
Jede Seite einzeln.
Vorteile:
- schnelle Kontrolle
- einfache Nachbearbeitung
- einzelne Seiten können ersetzt werden
- leichter Ausdruck einzelner Stimmen
Zusätzlich wird aus allen Seiten eine komplette PDF-Datei erstellt.
Diese dient später zur Verwendung in Notenprogrammen wie MobileSheets.
Warum ich beide Formate aufbewahre
Man könnte argumentieren, dass PDF allein ausreicht.
In der Praxis zeigen sich jedoch Vorteile der JPEG-Dateien.
Bei einer beschädigten Seite muss nicht die komplette PDF-Datei neu erstellt werden.
Es genügt, eine einzelne JPEG-Datei auszutauschen.
Außerdem lassen sich JPEG-Dateien wesentlich schneller durchsuchen und kontrollieren.
Einheitliche Ordnerstruktur
Jedes Werk besitzt einen eigenen Ordner.
Beispielsweise:
Archiv
├── Libertango
│ Libertango.pdf
│ Libertango_P_01_12.jpg
│ Libertango_A1_01_04.jpg
│ Libertango_A1_02_04.jpg
│ …
│
├── Tango pour Claude
│ …
│
└── Zorbas Dance
Diese Struktur entspricht exakt dem physischen Archiv.
MobileSheets profitiert davon
Bei der Verwendung von MobileSheets zeigt sich der Vorteil besonders deutlich.
Die PDF-Datei dient als Grundlage.
Durch die einheitliche Reihenfolge der Seiten lassen sich einzelne Stimmen sehr einfach zuordnen.
Auch spätere Änderungen bleiben übersichtlich.
Meine Erfahrungen
Während der Digitalisierung des Archivs des Akkordeonorchesters Hallein hat sich dieses System über viele Jahre bewährt.
Selbst bei mehreren tausend Dateien genügt meist ein kurzer Blick auf den Dateinamen, um sofort zu erkennen:
- welches Werk,
- welche Stimme,
- welche Seite
vorliegt.
Gerade bei der Zusammenarbeit mehrerer Notenwarte verhindert dies Missverständnisse.
Fazit
Eine konsequente Dateibenennung kostet beim Digitalisieren nur wenige Sekunden mehr.
Später spart sie jedoch unzählige Stunden.
Wer sein Archiv von Anfang an sauber strukturiert, profitiert über viele Jahre von einer schnellen Suche, einer einfachen Verwaltung und einer problemlosen Nutzung auf Tablets.
Ausblick
Im nächsten Teil der Serie stelle ich das Herzstück meines digitalen Notenarchivs vor:
Das digitale Inhaltsverzeichnis.
Darin werden nicht nur Titel und Komponisten gespeichert, sondern zahlreiche weitere Informationen, mit denen sich selbst umfangreiche Archive komfortabel durchsuchen und verwalten lassen.
Zur Artikelserie
- Teil 1: Warum Noten digitalisieren?
- Teil 2: Physisches und digitales Archiv