Warum Noten digitalisieren?
In vielen Musikvereinen und Orchestern sind ĂŒber Jahrzehnte umfangreiche Notenarchive entstanden. Sie bilden einen unschĂ€tzbaren Wert, denn sie enthalten nicht nur die Literatur des Orchesters, sondern dokumentieren auch dessen Geschichte.
Mit zunehmendem Bestand steigen jedoch auch die organisatorischen Herausforderungen. Noten werden gesucht, Stimmen fehlen oder sind beschÀdigt, und oftmals existieren mehrere unterschiedliche Ausgaben eines Werkes.
Durch die Digitalisierung lÀsst sich dieses Problem nachhaltig lösen.
Das klassische Notenarchiv stöĂt an Grenzen
Jeder Notenwart kennt typische Fragen:
- Wo befindet sich die Partitur?
- Welche Stimmen sind vollstÀndig?
- Wurde dieses Werk bereits digitalisiert?
- Gibt es zusÀtzliche Stimmen?
- Wann wurde das StĂŒck zuletzt gespielt?
Je gröĂer das Archiv wird, desto schwieriger wird die Verwaltung.
Besonders problematisch ist, dass Originalnoten hĂ€ufig viele Jahre im Umlauf sind. Beschriftungen, Klebestreifen oder Verschmutzungen beeintrĂ€chtigen nicht nur die Optik, sondern können im schlimmsten Fall zum Verlust wichtiger Informationen fĂŒhren.
Warum das Notenarchiv trotzdem unverzichtbar bleibt
Ein digitales Archiv ersetzt das physische Archiv nicht.
Originalnoten dienen als Nachweis fĂŒr Lizenz- und Urheberrechte. Deshalb sollten sie sicher, trocken und geordnet aufbewahrt werden.
Ich empfehle, jedes Werk alphabetisch nach seinem Titel in einer eigenen Archivmappe abzulegen.
In der Archivmappe ist eine gesammter Stimmensatz incl. Partitur abgelegt, welcher nie an Spieler ausgegeben wird. Er hat somit keine persönlichen Notizen.
Dieser Musterstimmensatz verbleiben dauerhaft im Archiv.
Dadurch bleiben ein Muster-Original ĂŒber viele Jahrzehnte erhalten.
Welche Vorteile bietet ein digitales Archiv?
Ein digitales Archiv erleichtert die tÀgliche Arbeit erheblich.
Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:
- schnelles Auffinden jedes Werkes
- Sicherung gegen Verlust
- Sammlung aller Stimmen zu einer Partituren
- digitale Nutzung auf Tablets
- einfache Datensicherung
- komfortable Suche nach Komponisten, Kategorien oder Schwierigkeitsgrad
- keine Abnutzung der Originale
Gerade gröĂere Orchester profitieren davon, weil sich mehrere hundert oder sogar tausende Notenseiten effizient verwalten lassen.
Digitalisierung bedeutet mehr als nur Scannen
Viele verstehen unter Digitalisierung lediglich das Einscannen der Noten.
In Wirklichkeit beginnt die eigentliche Arbeit bereits davor.
Ein digitales Notenarchiv besteht aus mehreren Bausteinen:
- einer klaren Ordnerstruktur
- einem vollstÀndigen Inhaltsverzeichnis
- einer einheitlichen Dateibenennung
- hochwertigen Scans
- einer sicheren Datensicherung
- einer geeigneten Notensoftware
Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten macht ein Archiv langfristig nutzbar.
Mein Ziel bei der Digitalisierung
Bei der Digitalisierung verfolge ich einen einfachen Grundsatz:
Das digitale Archiv muss jederzeit in der Lage sein, den Inhalt der Originale wiederzugeben.
Deshalb werden nicht nur die eigentlichen Notenseiten digitalisiert.
Ebenso wichtig sind:
- TitelblÀtter
- EinlegeblÀtter
- handschriftliche Hinweise, Korrekturen
- RĂŒckseiten
- BeiblÀtter
- Partituren
Alle Informationen, die spÀter einmal von Bedeutung sein könnten, gehören ebenfalls ins digitale Archiv.
Ein Projekt ĂŒber viele Jahre
Die Digitalisierung eines groĂen Notenarchivs erfolgt nicht innerhalb weniger Wochen.
Je nach Umfang können mehrere tausend Seiten zusammenkommen.
Mit einer gut durchdachten Arbeitsweise lĂ€sst sich dieser Bestand jedoch StĂŒck fĂŒr StĂŒck bearbeiten.
Der Zeitaufwand lohnt sich.
Nach Abschluss der Digitalisierung steht ein Archiv zur VerfĂŒgung, das wesentlich einfacher verwaltet werden kann als ein rein physischer Bestand.
Ausblick
Im nÀchsten Beitrag dieser Serie zeige ich den organisatorischen Aufbau meines digitalen Notenarchivs.
Dabei geht es unter anderem um:
- die Ordnerstruktur,
- das digitale Inhaltsverzeichnis,
- die Verwaltung der Stimmen,
- sowie die eindeutige Zuordnung aller Dateien.
So entsteht Schritt fĂŒr Schritt ein Archiv, das sowohl fĂŒr den klassischen Notenwart als auch fĂŒr die digitale Nutzung auf Tablets bestens geeignet ist.
Die Artikelserie
- Teil 1: Warum Noten digitalisieren?
- Teil 2: Physisches und digitales Archiv